In der Demokratie gibt es eine Pflicht, die allem anderen vorgeht: Nämlich zu sagen, was ist!

Wird Jörg Meuthen auf dem BPT im November wieder kandidieren? Hier im Gespräch: Der AfD-Bundesvorsitzende mit Journalist/Buchautor Peter Hain. „Meinungsfreiheit wird bei uns gelebt! Angeregt, offen und manchmal auch streitlustig. Aber immer ohne Scheuklappen und ohne Angst, etwas ‚Falsches‘ zu sagen. Denn eines ist für uns alle das höchste Gut: Die Meinungsfreiheit. Ohne sie gibt es keine Demokratie“, so Meuthen mit Tino Chrupalla in einem Flyer.

Diese AfD hat ihre historische Chance verspielt

Liebe Freunde, Mitstreiter und Gegner, mit sofortiger Wirkung bin ich aus der AfD ausgetreten. Eine schmerzliche Entscheidung. Aber ich bin auch froh, fühle mich befreit. Man muss nicht Mitglied in einer Partei sein, die man nicht mehr wählen will. Das ist konsequent, statt Selbstbetrug. Beim Lesen meiner Austritts-Begründung wünsche ich viele neue Erkenntnisse.
Herzlichst
Peter Hain

 „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“, Arthur Schopenhauer („Die Welt als Wille und Vorstellung“)

Austritts-Begründung
Meinung (Art. 5, Absatz 1 GG)

Das Experiment „Alternative für Deutschland“ ist gescheitert! Diese Partei ist für mich keine wählbare Alternative mehr. Ihre Politik will ich nach fünf Jahren Mitgliedschaft  nicht mehr unterstützen. Zur Regierungsbildung braucht niemand diese Partei, weil sie es nicht schaffte, koalitionsfähig zu werden. Diese AfD taugt nicht mal mehr als  Mehrheitsbeschaffer. Und auch die stärkste Oppositionspartei wird sie im neuen Bundestag nicht mehr sein. Diese AfD hat keine zündenden Hauptthemen, die mitreißen und überzeugen: Europapolitik, Corona-Pandemie, Klimafrage, soziale Marktwirtschaft, Migration/Integration – kein differenziertes Programm, fast nur Protest- und Verneinungspolitik, wenig Kompromisse, kaum Optimismus.  Die AfD hat große Hoffnungen geweckt, die sie nicht erfüllen kann.

Verantwortlich für diese Abwärts-Spirale ist vor allem das Führungspersonal. Die Ausfälle von Gauland, Höcke, Kalbitz und anderen kann ich nicht mehr mittragen. Das haben ja auch Uwe Junge und ich in unserem aktuellen Buch „Rechts vs. Rechts“ ausführlich begründet.  

„Leichenbitter“ Gauland verbreitet Unglück

Dazu schrieb mir der Publizist Konrad Adam (AfD-Mitgründer, Ende 2020 Parteiaustritt):  „Alexander Gauland erzählt gern von seinen drei Leben als Beamter, Journalist und Parteimanager. Er sollte ein viertes Kapitel hinzufügen, für das ich die Überschrift „Der Leichenbitter“ vorschlage. Denn wenn er, mit welchem Recht auch immer, die AfD als sein Lebenswerk bezeichnet, sollte er ehrlicherweise hinzusetzen, dass er sie auch zu Tode geritten hat. Er paktiert mit Leuten, denen unsereiner den Handschlag verweigern würde, und kündet wie kein zweiter vom Niedergang des Bürgertums. Den Leichenbitter lässt man nicht ins Haus, denn er verbreitet Unglück. Es liegt an uns, ihm die Tür zu versperren.“

Dr. Alexander Gauland (wie ich 80!) hat diese Partei nicht mehr im Griff. Jetzt baut er seinen Kronprinzen Tino Chrupalla als Nachfolger auf. Der Malermeister aus Görlitz (Partei-Eintritt 2015) soll diese AfD in eine neue, erfolgreiche Zukunft führen. Meine Meinung: Im Osten ist der Co-Bundessprecher vielleicht ein Hoffnungsträger, doch im Westen ist er unbekannt, begeistert kaum. Seine Attacken sind eher gehobenes Kreisverband-Niveau. Und auch Alice Weidel, wie Chrupalla Spitzenkandidatin dieser Partei, überzeugt nicht. Wegen der „Spenden-Affäre“ in ihrem KV Bodensee musste die AfD fast 400.000 Euro Strafe zahlen. Das fügte der Partei einen schweren Schaden zu. Doch jetzt wurde das Strafverfahren gegen Weidel wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Parteiengesetz nach drei Jahren eingestellt. Nun bittet sie weiter unverdrossen um Spenden. Ganz legal. Für mich trotzdem dreist.

Für mich und viele Parteimitglieder ist sie eine Wähler-Vergraulerin. Und auch in den eigenen Reihen viel Widerstand gegen Weidel: Kürzlich auf dem Parteitag der AfD in Baden-Württemberg gab es Anträge zur Abwahl des gesamten Vorstandes einschließlich Landeschefin Weidel. Der Misstrauensantrag scheiterte knapp: Mit einer Mehrheit von 52 zu 48 Prozent stimmten die anwesenden Mitglieder gegen den Antrag. Auch im Ländle tobt die Auseinandersetzung zwischen Rechts und ganz Rechts (draussen).

Münzenmaier kämpft ums politische Überleben

Eine eigenartige Entwicklung ist auch bei Sebastian Münzenmaier zu beobachten, den ich mal unterstützte. So verklagt er Ex-Parteimitglieder, z. B. seinen ehemaligen AfD-Landeschef Uwe Junge. Vermutlich ferngesteuert, verwahrt sich der von Gauland geförderte Pfälzer juristisch gegen die angebliche Behauptung, dass er dem „Flügel“ nahestehe. Da habe ich herzlich gelacht. Das hat ja auch keiner behauptet. Die ganze Wahrheit kennt doch jeder. Das können auch viele Mitglieder im Osten bestätigen. In einem RHEINPFALZ-Porträt stellt Münzenmaier klar, es gäbe in der AfD nach wie vor unterschiedliche Strömungen, und das sei „auch gut so“. Jetzt kämpft der Berliner Fraktionsvize erst mal ums politische Überleben, versucht sich weiter zu profilieren. Da sollte er auch als Vorsitzender des Tourismus-Ausschusses im Bundestag verstärkt in seiner Heimat die notleidende Touristikbranche unterstützen.  

Fakt ist, dass sich die AfD-Mitgliederstruktur in RLP sehr veränderte. Stammtisch-Parolen scheinen mehr zu überzeugen als Sachpolitik und ehrliche Kritik. Das musste auch Dr. Timo Böhme erfahren, ein ausgewiesener Experte für Landwirtschaft und Soziales. Der Ludwigshafener wurde ausgebootet, kam nicht mehr in den neuen Landtag. Kurz darauf verließ Böhme diese Partei. Der gebürtige Sachse hat viel zu erzählen, über Intrigen, Parteigeschacher und die Machtwende in der Landtagsfraktion. Ja, diese Partei reduziert sich auf einen Mandats-beschaffungsverein für einige wenige Protagonisten, die sich das Projekt AfD zur Beute gemacht haben.    

Immer mehr Mitglieder flüchten aus der AfD

Verständlich, dass aus dieser „Mut zur Wahrheit“-Partei die enttäuschten Mitglieder flüchten: Im Dezember 2019 hatte die AfD in RLP noch ca. 2.400 Mitglieder, doch danach verließen einige hundert Anhänger diese Partei. So auch kürzlich der  AfD-Landtagsabgeordnete Matthias Joa. Seinen Austritt begründete er damit, dass der gemäßigte Kurs, für den er in dieser Partei immer wieder geworben habe, nicht einzuhalten sei. Vielmehr bestimmten diesen zunehmend rechtsextreme Kräfte.

Immer mehr Krakeeler und wirre Protest-Aktionen  bringen diese Partei in Misskredit. So z.B. unlängst, als ein AfD-Funktionär beim Besuch des Gesundheitsministers Jens Spahn in Ludwigshafen den ausgestreckten Stinkefinger zeigte und den CDU-Politiker verbal beleidigt haben soll. „Ich bin entsetzt über diese Provokation. Ein nicht tolerierbarer Akt der Respektlosigkeit“, so Timo Weber, ehemaliger KV-Vorsitzender der AfD in Ludwigshafen, der nach seinem Parteiaustritt für die LKR aktiv ist.

Ja, kein Wunder, dass dieser Partei die Mitglieder weglaufen. In RLP ist die Situation besonders besorgniserregend. Mir tun vor allem die vielen engagierten Mitglieder leid, die noch immer für die Gründungsideale kämpfen, die bittere Realität verdrängen.

Kandidiert Höcke als neuer Bundessprecher?

Die Zukunft dieser Partei? Ich befürchte, dass es auf dem Bundesparteitag im November in Wiesbaden zu einer großen Abrechnung kommt. Wegen dem bescheidenen Bundestags-Wahlergebnis werden sich die verfeindeten Lager gegenseitig die Schuld zuweisen. Wird Jörg Meuthen noch einmal antreten, wirft er hin, kippt man ihn? Bewirbt sich vielleicht Höcke als neuer Bundessprecher? Dann würden wohl weitere prominente Mitglieder aus der Partei austreten. Und auch Münzenmaier wird mitmischen, er sieht sich ja als ein ganz Großer in dieser Partei, spekuliert auf eine hohe AfD-Position. Wenn‘s nicht klappt, kommt er vermutlich als Landeschef nach RLP zurück.

Wie es auch kommt: Die AfD hat längst ihre große historische Chance verspielt. Ich wähle wie Uwe Junge bei der Bundestagswahl am 26. September die Partei „Liberal-Konservative Reformer“ (LKR) –  als „Die Neue Alternative“ (DNA).  

AfD-Streit eskaliert:
Strafanzeige gegen
Spitzenkandidat Münzenmaier

Verleumdung, Beleidigung und üble Nachrede – das wirft Matthias Joa einigen Führungskräften der rheinland-pfälzischen AfD vor. Der Ex-Landtagsabgeordnete, der aus Partei und Fraktion austrat, stellte Strafantrag und Strafanzeige gegen Sebastian Münzenmaier. Es geht um ein vom Landesverband versendetes Schreiben nach seinem Austritt: Darin heißt es, dass Joa der Partei Geld schulde, durch persönliche Unzuverlässigkeiten aufgefallen sei. „Das dient dazu, mich öffentlich abzuwerten und zu diskreditieren“, so Joa. Nach seiner Darstellung hat Münzenmaier das Schreiben formuliert. Landeschef Michael Frisch soll gegen die Verbreitung gewesen sein. Der Strafantrag trägt den Briefkopf der Germersheimer Rechtsanwälte Konrad & Weber. Münzenmaier wies die Vorwürfe zurück. Typisch für einige Personen der AfD: Kritiker und Ex-Mitglieder werden oft abqualifiziert, Ihnen die Ehre abgeschnitten.

Junge Freiheit aktuell, Nr. 36/21,
Literatur Seite 21, Rubrik „Frisch gepresst“

Rezension zum Buch „Rechts vs. Rechts“

Nach über acht Jahren Schluss mit der AfD: Uwe Junge, Jahrgang 1957, Oberstleutnant a. D., Afghanistan-Veteran, Landesvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz von 2015 – 2019,  Fraktionsvorsitzender im Landtag RLP 2016 – 2021

Uwe Junge:
„Es ist vorbei, es geht nicht mehr!“

Kommentar

Sachlich und chronologisch beginnt die 4-seitige Austritts-Begründung des ehemaligen AfD-Landesvorsitzenden Uwe Junge zum Austritt: Als er im April 2013 in die AfD eintrat, ging es ihm darum, durch freiheitliche und vernunftorientierte Politik zum Wohle des deutschen Volkes zu überzeugen und Wahlen zu gewinnen. Uwe Junge wollte  Deutschland retten! Im aktuellen Erfolgsbuch „Rechts vs. Rechts – 200 ehrliche Antworten auf kritische Fragen“ berichtete er ausführlich darüber.  

Doch dann wird sein Text explosiv, der Ex-Stabsoffizier (Afghanistan-Veteran) on fire: Allen voran kritisiert er scharf den AfD-Ehrenvorsitzenden Gauland, da ist die Rede von der „Höcke-Jugend“, von NS-Sympathisanten, Mandatsjägern und unklugen „Flüglern“. Und eben von der ganzen Unfähigkeit der Partei- und Fraktionsführung, die seiner Meinung nach unprofessionell ist und Wähler abschreckt. Und Junge meint, dass mit Weidel und Chrupalla auf Bundesebene sowie Münzenmaier und Lohr in Rheinland-Pfalz diese negative Entwicklung personifiziert wird. Kaum Inhalte, immer mehr Polemik, Bedienung der eigenen Blase.

Für Junge ist das Projekt AfD gescheitert. Die Rechtspartei hat seiner Meinung nach ihre historische Chance zur Koalitionsfähigkeit längst verspielt.

Hier schreibt sich ein aufrichtiger Politiker seine große Enttäuschung und seine ganze Wut von der Seele. Abrechnung und Anklage zugleich. Sein Abschied von dieser Partei deutete sich schon länger an. Bei seiner schweren Entscheidung habe ich ihn bestärkt. Wenn man aus einer Partei austritt, die man mit all seinem Herzblut mitgründete und nach oben führte, ist das ein extrem schwerer Entschluss.

Doch den Auftrag, „Deutschland zu retten“, sieht Junge weiterhin als seine vaterländische Pflicht. Bei der Bundestagswahl stimmt er daher für die Partei „Liberal-Konservative Reformer“ (LKR). Er hofft, dass die LKR zum Sammelbecken aller vernünftigen Konservativen aus AfD und CDU werden kann. Es bleibt spannend mit dem meinungsstarken Uwe Junge. Plant er eine Rückkehr in die aktive Politik? In unserem gemeinsamen Buch „Rechts vs. Rechts“ sagt er: Es ist noch nicht vorbei!

„Wir sprechen vielen Menschen aus der Seele“

Die Meinungen zu unserem Buch zeigen, dass wir vielen Parteimitgliedern und Wählern aus der Seele sprechen. Sie haben ehrliche Fragen, wir geben ehrliche Antworten.

Überall erhältlich, wo es gute Bücher gibt (u. a. jf-buchdienst.de, Best.-Nr.: 95160)
und direkt beim Autor: Peter.Hain@peterhain.info

Aktuelles zum Buch

Bundeswehr 1 / „Warum Soldaten die AfD wählen“, so heißt der Titel des neuen Buches, das der ehemalige Drei-Sterne-General Joachim Wundrak sowie der Major a. D. und MdB Gerold Otten im GHV-Verlag veröffentlichen. Ja, warum wählen sie AfD? Man darf gespannt sein. Wundrak ist auch in Niedersachsen AfD-Spitzenkandidat für den Bundestag.  Im aktuellen Buch „Rechts vs. Rechts“, Kapitel 4, nimmt Uwe Junge, (Oberstleutnant a. D.) zum Thema „Bundeswehr“ ausführlich Stellung. „Ist die AfD eine Partei für Soldaten? Eine Schande, wie die verantwortlichen Politiker die Bundeswehr im Stich lassen. So darf das nicht weitergehen.“

Bundeswehr 2 / Abgesagt! Die geplante öffentliche Ehrung am 31. August für den Afghanistan-Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten findet nicht statt. Gut so, angesichts der Afghanistan-Tragödie. Der Staatsakt wäre wohl mehr zu einem Tribunal für die verantwortlichen Politiker geworden. Wofür sind unsere Soldaten gestorben? Mein Ex-Kollege Franz Josef Wagner (fjwagner@bild.de) kommentiert: Liebe Kanzlerin, sind Sie noch im Amt oder in Gedanken schon in Rente? Darf ich Sie daran erinnern, dass Sie noch immer unsere Kanzlerin sind, Ihr Auftrag ist, uns Deutsche zu schützen. Haben Sie das vergessen beim Aufräumen Ihres Schreibtisches? Da kann ich mich Wagner nur anschließen, mit dem ich einst für die SUPER Zeitung in Berlin arbeitete. Im Buch „Rechts vs. Rechts“, Kapitel 4 auch ein Kommentar von Uwe Junge: Sozialarbeiter in Uniform oder kampfstarke, gut ausgerüstete Soldaten?

https://twitter.com/UweJunge/status/1416526058564767751

Bundeswehr 3 / Uwe Junge, erfolgreich in den sozialen Netzwerken: Der Ex-Fraktionschef der rheinland-pfälzischen AfD hat bei Twitter und Facebook oft weit über 15.000 Anhänger, die überwiegend seinen Ansichten und Aktionen zustimmen. So seinem schnellen Einsatz kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, als Junge, unterstützt von Frau und Sohn, vor Ort den Opfern half. Und das in seinem alten Kampfanzug, den der Ex-Offizier einst bei seinen Afghanistan-Einsätzen trug (Auszeichnungen: Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold und Silber, Einsatzmedaille ISAF).

Unfassbar! 15.000 Euro-Spende für Flutopfer abgelehnt

Das „Hohelied der Moral“ und
Ex-Bundespräsident Horst Köhler

Großherzige Spenden für notleidende Menschen sind nicht überall willkommen. Denn es gibt gute und weniger gute Spenden – so muss ich Horst Köhler verstehen, den Schirmherrn der „Aktion Deutschland Hilft e.V.“ Es scheint bei ihm darauf anzukommen, von wem die Spenden stammen. Grundsätzlich richtig. Doch manchmal schießen Köhler und Co. bei der Bewertung übers Ziel hinaus. So überwies die Firma Heckler & Koch Anfang August 15.000 Euro auf das Spendenkonto des Hilfsvereins. Die Hälfte davon kam von der Belegschaft der Firma in Oberndorf/Neckar. Der Betrag sollte den Flutopfern im Ahrtal zugute kommen.

Doch bei Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler und Kuratoriumsvorsitzenden und Außenminister Heiko Maas landete die Spende an der falschen Adresse. Einen Monat später erhielt die Firma per E-Mail die Mitteilung: „Aufgrund unserer ethischen Leitlinien wurde durch einen Vorstandsbeschluss entschieden, dass wir Ihre Spende nicht annehmen können.“

Unfassbar! „Übernehmen Sie Verantwortung und bewirken Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Großes!“ So steht es auf der website des Vereins. Und: „Verdoppeln Sie die Spenden Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schaffen Sie so einen zusätzlichen Anreiz, sich für Menschen in Not zu engagieren.“

Die Firma Heckler  & Koch ist schwer enttäuscht, dass man ihre Spende zurückwies. In einem offenen Brief an den Verein und seine Repräsentanten schreiben Geschäftsführung und Betriebsrat: „Es bestürzt uns, wenn der Vorstand der Aktion Deutschland Hilft unsere Spende mit dem Hinweis ablehnt, dieses Geld sei mit unethischen Mitteln erworben worden. Dies setzt nicht nur uns als mittelständisches Unternehmen und unsere Mitarbeiter herab, sondern auch die Sicherheitskräfte in Deutschland, der EU und der NATO, die täglich unsere Produkte benutzen.“

Ich meine, dass die Zurückweisung von elitärer Arroganz zeugt, an Beleidigung grenzt. Von Außenminister Heiko Maas (SPD) habe ich ja nichts anderes erwartet. Doch von Ihnen, Horst Köhler? Sie haben doch als Kind in den Nachkriegsjahren auch Leid und Not erfahren. Fragten Sie damals, woher die Hilfe kommt? Die Menschen im Ahrtal haben jeden Euro dringend nötig. Für Sie ist es einfach, Spenden abzulehnen, als unsittlich zu bezeichnen. Erhalten Sie doch als Ex-Bundespräsident eine hohe Pension – aus der Staatskasse (steuerfinanziert, auch von Firmen wie Heckler & Koch). Ich meine, da kann man das „Hohelied der Moral“ gut singen.

Mit Verlaub, Horst Köhler: Mussten Sie Ihr Leben schon mal mit einer Waffe verteidigen? Mit welchen Pistolen wurden Sie von Ihren  Personenschützern bewacht? Alles unethisch, unmoralisch? Die Polizistinnen und Polizisten, Soldatinnen und Soldaten, die direkt nach der Flut in die betroffenen Gebiete geeilt waren, um den Menschen vor Ort zu helfen, werden von Heckler & Koch ausgerüstet. „Wir produzieren Waffen zur Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ohne Genehmigung der Regierung verlässt keine einzige Waffe unser Haus“, so Geschäftsführer Dipl. Ing. Jens Bodo Koch.

Auch Uwe Junge, Oberstleutnant a.D. und Afghanistan-Veteran, kann da einiges erzählen: so z. B., wie die bewährte Waffe G 36 im Einsatz gegen Terroristen sein Leben rettete. Oder all die Arbeitnehmer von Firmen, die Panzer, Kampfjets und Drohnen produzieren. Sind ihre Spenden auch unethisch? Oder von Motor-Trickser VW, der auch spendete.

Darum tat die Firma Heckler & Koch das einzige Richtige: Sie verteilte ihre Spende direkt an die von der Flut besonders schwer getroffene Gemeinde Dernau sowie an das Technische Hilfswerk.

Hinauf zum Schloss! Es wird zwar weitergewandert – aber nicht mehr unter der Flagge „Neues Hambacher Fest“

Aus für Max Ottes
„Neues Hambacher Fest“

Wortmarke wurde für
nichtig erklärt und gelöscht

Auf Antrag der Stiftung Hambacher Schloss hat das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) die Wortmarke „Neues Hambacher Fest“ für nichtig erklärt und gelöscht. Grund sei das Fehlen der Unterscheidungskraft nach dem Markengesetz. „Für Deutschland steht das Hambacher Fest als Inbegriff für Freiheit, Einheit und Demokratie. Einer Vereinnahmung dieser demokratiegeschichtlichen Tradition durch Rechtskonservative muss widersprochen werden“, begrüßte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz die Entscheidung. Der SPD-Politiker wurde gleichzeitig auch noch zum neuen Vorsitzenden der Stiftung Hambacher Schloss gewählt. Im März 2018 hatte Professor Max Otte durch die von ihm geführte Investorfirma die Wortmarke im Markenregister eintragen lassen. Die  Veranstaltungen wurden von zahlreichen Bürgern aus allen Parteien besucht.

Der Kölner Ökonom Otte, auch Vorsitzender der WerteUnion, meinte, die DPMA habe sich um die entscheidende Frage der Freihaltebedürftigkeit der Marke „Neues Hambacher Fest“ gedrückt. Otte sagte auch: „Stattdessen hat das Amt seine eigene Prüfung und Entscheidung bei der Anmeldung der Marke revidiert und geht nun davon aus, dass der Marke die Unterscheidungskraft fehle. Offensichtlich hat der politische Druck gewirkt“.

Kommentar

Eigentlich gehört

Dr. Siebenpfeiffer
die Marke „Hambacher Fest“

Als Patriot und Hambach-Forscher, der in Neustadt-Hambach aufwuchs, bedauere ich diese Entscheidung und die Streiterei. Warum musste es soweit kommen? Ich meine, Max Otte war einfach zu schnell erfolgreich mit seinem „Neuen Hambacher Fest“. Sein Einsatz war aufrichtig, er demonstrierte ebenfalls für Freiheit und Einheit Deutschlands! Und an seinen Patriotenwanderungen nahmen oft über 1.000 Bürger aus ganz Deutschland teil. Auch belebend für den Tourismus.

Aber dieser Erfolg missfiel vor allem der SPD, die um ihre politische Deutungshoheit fürchtete. Das Land Rheinland-Pfalz ist für das kulturelle Erbe zuständig, trägt die Stiftung mit. Und Malu Dreyer kam auch noch in Neustadt zur Welt. „Unser Schloss in den Händen von Otte und Co.?Honni soit qui mal y pense: Verdammt sei, wer Böses dabei denkt!

Doch ich meine, eigentlich gehört Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer die Marke „Hambacher Fest“, denn er und seine Mitstreiter erfanden den Namen, marschierten 1832 zum Schloss hinauf, um für Presse- und Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Doch das ist 189 Jahre her. Leider. Das Urheberrecht gilt daher nicht mehr. Was würde Siebenpfeiffer wohl heute zu diesem Markenstreit sagen? Vielleicht würde er sich eher über eine „wahre Erneuerung“ seines Festes freuen? Übrigens erwähnte mein Vorbild Siebenpfeiffer in seinen Schlossreden mehrfach Patrioten und Patriotismus …

Liebe SPD, gibt es gute und böse Patrioten?

Ein bisschen erinnert der Streit um Ottes „Neue Hambacher Fest“ an das Schicksal des Freigeistes Siebenpfeiffer, der auch von der Obrigkeit verboten/verfolgt wurde. In dem aktuellen Buch „Rechts vs. Rechts“ sagt Otte in dem Essay „Aufgeklärter Patriotismus“:  „Es gibt vieles auf der Welt,  das uns Sorgen macht. Vor allem auch in diesen Krisenzeiten, die zum Überlebenskampf werden. Umso wichtiger ist es, sich daran zu erinnern, dass es ebenso viele positive Traditionen und Beispiele gibt, die Mut machen.“ Und Buch-Co-Autor Uwe Junge, der sich gern an die Hambacher Treffen erinnert, meint: „Für mich ist diese Veranstaltung der Beweis einer verbindenden Wertegemeinschaft. Deutschland ist reich an geschichtlichen Identitäten, die wir pflegen müssen. So wie diese Hambacher Wanderungen.“ Ja, es scheint gute und böse Patrioten zu geben – und auch viele Pseudopatrioten!