In der Demokratie gibt es eine Pflicht, die allem anderen vorgeht: Nämlich zu sagen, was ist!

Prickelnde Landschaft: David Hockneys Osterglocken als Hoffnungsträger in emotional schweren Zeiten, in einer von Widersprüchen zerrissenen Gesellschaft (Abbildung: Hockney)

Denkt daran, dass der
Frühling nicht verboten
werden kann

„Im Frühling gebe es einen Moment, in dem die Natur erotisiert sei“, sagte David Hockney einmal. Es sehe dann so aus, als sei Champagner über die Büsche gegossen worden. Der exzentrische Maler hat schon immer seine Freude an der Natur und ihrem unendlichen Reichtum an Motiven im Wechsel der Jahreszeiten in frischen, leuchtenden Farben vermittelt. Je älter der 82-jährige wird, umso üppiger seine Palette. Aus der Abgeschiedenheit der Normandie hat er jetzt diese Vitalität ausströmenden Osterglocken als Hoffnungsträger in die von der Corona-Pandemie auf den Kopf gestellte Welt gesetzt mit der Botschaft: „Denkt daran, dass der Frühling nicht gestrichen oder verboten werden kann“. David Hockney hat das Bild auf seinem iPad gemalt.

Der Künstler hält es mit dem Spruch auf einem burgundischen Weingut: „Wenn sie trinken, sterben sie – wenn sie nicht trinken, sterben sie auch.“ Mit seinen prallen Osterglocken von einer Landschaft, die noch nicht ganz aus dem Winterschlaf erwacht ist, ruft Hockney die Frühlingssymbole von Auferstehung und Neugeburt in Erinnerung. Danke David, ein erhellendes, lebensbejahendes Zeichen in traurigen Tagen.

Das Grundgesetz
Meinungsfreiheit – nur noch eine leere Hülle? Alarmierend, dass 63 Prozent der Deutschen sagen (Allensbach-Umfrage): „Heutzutage muss man sehr aufpassen, zu welchen Themen man sich äußert.“ Abbildung aus Magazin Faktum, herausgegeben von der Desiderius-Erasmus-Stiftung zum Thema „Meinungsfreiheit“

Kommentar
von PETER HAIN

Nur eine „Woche der Meinungsfreiheit“?

Es sollte heißen: „Das ganze Jahr Meinungsfreiheit!“

„Demokratie ist nichts wert,
wenn nur die Meinung
der eigenen Community zählt.“

Dr. Svenja Flaßpöhler, Philosophin, in einer Anzeige der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 4. Mai 2022

Bei diesem Zitat musste ich dreimal hingucken: Eigentlich lese ich das nur in dem Debattenmagazin JUNGE FREIHEIT (Seite 1, JF „Demokratie braucht Meinungsfreiheit“). Doch in der F.A.Z.? Da wollte man vermutlich gegensteuern wegen der miserablen Umfragen, nach denen sich keiner mehr so richtig traut, öffentlich seine Meinung zu sagen. Und natürlich wollte man auch PR machen für das Medien-Bündnis „Woche der Meinungsfreiheit“ (noch bis 10. Mai).

Rund 45 Organisationen und Unternehmen der Buchbranche und der Presse wollen mit der „Woche der Meinungsfreiheit“ die Demokratie stärken. „Gerade angesichts des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist der Einsatz für den Frieden und die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft wichtiger denn je“, so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Initiator. Die Themen der Veranstaltungen umfassen die Angst, die eigene Meinung zu sagen, Fake News, Pressefreiheit oder staatliche Drohungen.

Gut gemeint, doch eigentlich purer Aktionismus, der schnell verpufft. Nur eine Woche Meinungsfreiheit? Es sollte heißen: Das ganze Jahr und immer Meinungsfreiheit!

Im Zeitalter der sozialen Medien herrscht die totale Meinung. Es ist ja auch viel bequemer, mit seinen Vorurteilen zu leben, statt sich der Anstrengung eines Urteils zu unterziehen. Das zeigt das mediale Meinungsregime in Deutschland. Rationale Erklärungen, die früher verifiziert werden konnten, erklärt man heute zu Demokratiefeindlichkeiten. Es ist auch eine Flucht in die moralische Überheblichkeit. Die meisten deutschen Politiker haben von der Kirche gelernt, dass man über die Moral zur Macht kommt.

Mit Verlaub, Frau Dr. Flaßpöhler, weil Sie die „Meinung“ zitieren: „Meinen“ ist ein „Fürwahrhalten“, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. Dadurch unterscheidet sich das Meinen vom Glauben und vom Wissen. Nicht ohne Grund ist also das „Meinen“ ohne Begründung eine Freiheit, die nicht eingeschränkt werden darf, egal, ob es völliger Unsinn ist oder viel Zustimmung erfährt. Es gibt also keine richtige oder falsche Meinung. Die Meinung steht für sich selbst.

Kritische Stimmen werden mundtot gemacht!

Eine Meinung muss man nicht teilen, aber respektieren. Es ist ein Ausdruck von totalitären Staaten, die Meinung der Anderen zu unterdrücken, wenn sie von der verordneten, also von der von der Obrigkeit vorgegebenen „Meinung“ abweicht. „Wer es dennoch tut, hat mit Sanktionen zu rechnen“, so der bürgerlich-konservative Politiker Uwe Junge in seinem Buch „Rechts vs. Rechts“, das er mit mir schrieb. Junge: „Es ist erschreckend, dass gerade heute die Medien, die ja die Hüter der Meinungsfreiheit sein sollten, zunehmend diejenigen sind, die die Meinung anderer versuchen zu diffamieren, indem sie diese schnell als rassistisch, fremdenfeindlich, rechtsradikal, antisemitisch, islamophob, homophob, frauenfeindlich, antidemokratisch und so weiter zu unterdrücken versuchen. Mit diesen Etikettierungen werden kritische Stimmen einfach mundtot gemacht.“

Jeder dritte Deutsche sieht „Scheindemokratie“

Um sein politisches System wird Deutschland weltweit beneidet. Trotzdem glaubt jeder dritte Deutsche einer Umfrage zufolge, in einer „Scheindemokratie“ zu leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Senders SWR. Darin stimmten 31 Prozent der Befragten dem Satz zu: „Wir leben in einer Scheindemokratie, in der die Bürger nichts zu sagen haben“. Im Osten war sogar fast die Hälfte der Bürger (45 Prozent) dieser Meinung. Und 28 Prozent der Befragten gaben an, dass unser demokratisches System „grundlegend geändert“ gehöre.

Der Genius der Freiheit trägt den „Hut der Freiheit“, ein bis auf die europäische Antike zurückgehendes Symbol. Detail am Grabmal Fürst Wilhelm I. von Oranien-Nassau, genannt „Der Schweiger“, Führer der Niederlande im Freiheitskampf der Nieuwe Kerk, Delft, 1623 vollendet.

Stiftung Hambacher Schloss feiert „erstes Demokratiefest“. Motto: „Mut zur Freiheit“

Kommentar

„Mehr Mut zur Meinungs-Freiheit“

Die Allensbach-Umfrage ist erschreckend und traurig zugleich. Bei der Infragestellung unseres demokratischen Systems geht es auch um die berühmte Meinungsfreiheit, die für alle Deutschen einen hohen Wert hat. Das Recht auf Meinungsfreiheit und Redefreiheit stellt aber gerade die abweichende Meinung, den Dissens, ins Zentrum der Freiheitsidee. Von dieser Einsicht ist die Elite der deutschen Politik weit entfernt. Abweichende Meinungen werden heute noch schärfer sanktioniert als abweichendes Verhalten. Diese Sanktionen laufen zumeist nicht über Diskussionen, sondern über Ausschluss und Ächtung. Ein Beispiel ist hierfür das „Neue Hambacher Fest“, das als Marke verboten wurde. Das bedeutete auch ein Ende der Patriotenwanderungen zum Schloss.

„Mut zur Freiheit“ lautet das Motto des ersten Demokratiefestes, das jetzt von 27. bis 29. Mai die Stiftung Hambacher Schloss und die Stadt Neustadt veranstalten. Das „erste Fest“? Das stimmt so nicht, es gab schon vorher viele Demokratiefeste auf dem Schloss. Und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wird sogar noch mit dem „Hambacher Freiheitspreis“ geehrt, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Das hat der Theologe, der in der DDR mutig für die Freiheit kämpfte, auch verdient. Gauck hält auch eine „Hambacher Rede“.

Doch eigentlich müsste die Veranstaltung heißen: „Mehr Mut zur Meinungs-Freiheit“. Aber Andersdenkende werden vermutlich nicht als Redner eingeladen.  

Ich meine, Demokratie wird nicht gestärkt durch präsidiale Ermahnungen, man möge sich zu ihr bekennen und sie gegen ihre Feinde verteidigen. Die Demokratie stärkt allein ihre Anfechtung. Sie ist das bestmögliche System zur Überwindung ihrer Infragestellung. Ihrem elementaren Funktionieren sind Störung und Gefährdung zuträglicher als Bestätigung und Bekenntnisproklamation. Die Veranstaltung der Landesregierung zeugt von rührendem Eifer, das Gesamtbild der Patrioten von 1832 politisch zu vereinnahmen. Kritiker sprechen von Geschichts-Verfälschung. Es stimmt auch nachdenklich, dass der rheinland-pfälzische SPD-Innenminister Roger Lewentz der neue Vorstandsvorsitzende der Stiftung Hambacher Schloss ist.

„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“
Perikles (+429 v. Chr.)

Ein berühmtes Zitat, das alle demokratischen Patrioten beherzigen sollten. Perikles war seit  443 v. Chr. ständig Stratege, verlieh der athenischen Demokratie (Volksherrschaft) einen monarchistischen Charakter. Das perikleische Zeitalter war ein Höhepunkt klassischer griechischer Kultur. Perikles soll aber auch den Peloponnesischen Krieg als Mittel neuer innerer Stärkung begrüßt haben, wurde kurz vor seinem Tod (an der Pest) abgesetzt.

1832, 27. Mai, 8 Uhr: Vom Marktplatz in Neustadt startete der Festzug mit dem Lied „Hinauf, Patrioten, zum Schloss, zum Schloss“. Nach Ankunft hisste das Festkomittee auf der höchsten Zinne die deutsche Fahne mit der Inschrift: „Deutschlands Wiedergeburt“. Diese schwarz-rot-goldene Flagge ist noch heute in der Dauerausstellung auf dem Hambacher Schloss im Original zu besichtigen

Nur dem Patrioten Siebenpfeiffer
gehört die Marke „Hambacher Fest“

Das von dem Investor Max Otte inszenierte „Neue Hambacher Fest“ missfiel vor allem der SPD, die um ihre politische Deutungshoheit fürchtete. Das Land Rheinland-Pfalz ist für das kulturelle Erbe zuständig, trägt die Stiftung mit. Und Ministerpräsidentin Malu Dreyer kam auch noch in Neustadt an der Weinstrasse zur Welt. So wurde auf Antrag der Stiftung das Otte-Fest vom Patentamt als Marke gelöscht.

Eigentlich gehört nur Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer die Marke „Hambacher Fest“, denn er und seine Mitstreiter erfanden den Namen, marschierten 1832 zum Schloss hinauf, um für Presse- und Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Das ist schon 190 Jahre her. Das Urheberrecht gilt daher nicht mehr. Leider. Was würde Siebenpfeiffer wohl heute zu diesem Markenstreit sagen? Vielleicht würde er sich über eine „wahre Erneuerung“ seines Festes freuen? Eine pfälzische Monopol-Zeitung dichtete, auf dem Hambacher Schloss sei die Demokratie erfunden worden. In der Tat eine Erfindung. Mein Vorbild Siebenpfeiffer erwähnte in seinen Schlossreden niemals das Wort Demokratie, sondern sprach mehrfach nur von Patrioten und Patriotismus.

Tatsache ist: Erst Alexis de Tocqueville prägte auf seiner Reise durch die USA (1831/32) den Politikbegriff „Demokratie“, veröffentlichte danach „Die Demokratie in Amerika“ (1835-1840). Für den französischen Politiker und Historiker sind bürgerschaftliche Feste und Bewegungen die Schule der Demokratie, in denen demokratisches Denken und ziviles Verhalten durch alltägliche Praxis eingeübt werden. Doch wenn diese Assoziationen auf lokaler Ebene verkümmern, dann ist die Freiheit der Demokratie – so Tocqueville – auch auf nationaler Ebene in Gefahr. Und da muss man wieder an das Hambacher Fest von 1832 denken. Wer widersprüchliche Meinungen nicht zulässt, schadet nur der eigenen Glaubwürdigkeit.

Titelseite der linksrepublikanischen Zeitschrift „JUNGE MENSCHEN“ von Oktober 1926: Daneben eine Anstecknadel mit dem Emblem des Reichsbanners. Die 1924 von Sozialdemokraten gegründete Wehrorganisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bekannte sich durch ihre Farben ausdrücklich zum „großdeutschen Gedanken“

Hambacher Schloss am 8./9. August 1925: Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold

Flagge zeigen!

Das Gründungsfest der Hambacher Patrioten vom Mai 1832 fand lange keine Wiederholung. Die Freiheitshelden Siebenpfeiffer und Wirth wurden verfolgt, es gab 1848/49 Revolutionen, die man blutig niederschlug. Doch die Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold am 8. und 9. August 1925 knüpft an das Hambacher Fest an.

Viele Zeitungen berichteten damals darüber (siehe Abbildung: „JUNGE MENSCHEN“: Die Staatsgewalt geht vom Volk aus). Einen ausführlichen Bericht veröffentlichte auch die Hambach-Gesellschaft in ihrem Jahrbuch (2017, Band 24). Da heißt es: Die Feier des im Oktober 1924 gegründeten pfälzischen Gaus des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold – Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer e.V.“ markiert die Geburtsstunde der von der SPD, Zentrum und DDP getragenen republikanischen Schutzorganisation in der Pfalz.

Es gab Aufmärsche mit etwa 20.000 Besuchern, auf dem Hambacher Schloss leuchtete ein Bengal-Feuerwerk, prominente Redner traten auf, ein großes Volksfest in Neustadt-Schöntal beendete die Feierlichkeiten. Auffallend, dass viele Neustadter und Hambacher Privathäuser „Flagge zeigten“ und schwarz-rot-gold geschmückt waren. Bemerkenswert auch, dass als Referenz an den Versammlungsort unter großem Jubel die Hambach-Fahne von 1832 und die Heydenreich-Fahne von 1848 im Festsaal aufgestellt wurden. Das von allen gesungene Hambach-Lied „Der deutsche Mai“ von 1832 mit dem programmatischen Textanfang „Hinauf Patrioten, zum Schloss, zum Schloss“ beendete die Veranstaltung im Neustadter Saalbau.

Fast 97 Jahre nach der großen Verfassungsfeier veranstaltet die Stiftung Hambacher Schloss und die Stadt Neustadt Ende Mai 2022 ihr „erstes Demokratiefest“. Für die Veranstalter Mahnung und Vermächtnis zugleich. Man will Flagge zeigen!  

Sei wachsam!

Erfrischender Ratschlag des Liedermachers und Freigeistes Reinhard Mey mit seinem Song „Sei wachsam“. Ich zitiere auszugsweise den Refrain:

„Sei wachsam, präg‘ dir die Worte ein! Sei wachsam und fall nicht auf sie rein! Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt. Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt! Sei wachsam, bewahr‘ dir deinen Mut. Sei wachsam und sei auf der Hut.“

Grundgesetz, Artikel 22, Absatz 2: Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold. Doch die hier gleichberechtigt neben der Nationalflagge vor dem deutschen Parlament wehende Flagge der EU veranschaulicht auch die freiwillige Aufgabe von Souveränität zugunsten des Staatenverbunds  

Wer behauptet, dem Land und seinen Bürgern zu dienen, sollte nicht selbst spalten

Schwarz-Rot-Gold statt Regenbogen!

Die SPD-Bundesinnenministerin Nancy Faeser will die Regenbogenfahne der LGBTQ-Bewegung mit einer Sondergenehmigung vor Bundesbehörden aufziehen lassen. „Die Innenministerin irrt, wenn sie glaubt, durch das Herausstellen einer bestimmten Gruppe deren Einbettung in die Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen“, kommentiert BILD-Journalist Ralf Schuler. „Die Ministerin, die die rasche bundesweite Registrierung ukrainischer Familien nicht auf die Reihe bekam, sollte sich Symbolpolitik fürs eigene Milieu sparen.“

In der Tat. Grundsätzlich verbietet die Flaggenverordnung, andere Fahnen als die von Nationen, der EU und anderen internationalen Einrichtungen aufziehen zu lassen. Und das ist auch gut so. Ein Sonderzeichen sondert ab, es schließt nicht ein. Verfassungsrechtler Josef Franz Lindner: „Der Staat hat in Fragen der sexuellen Identität der Menschen eine strikte Neutralitätspflicht!“

Die Farben der wirklichen Inklusion gibt es nämlich schon: Schwarz-Rot-Gold! Deutschland einig Vaterland.

Der Schriftsteller Wolfgang Bittner hat mit seinem Werk „Der Neue West-Ost-Konflikt“  für Aufsehen gesorgt. Es geht um die Inszenierung der Krise NATO gegen Russland. Bittner liefert eine Tour de d’horizon der US-Großmachtpolitik von der Ukraine bis Venezuela (320 Seiten, 20 Abb., 19,90 Euro, ISBN: 978-3-943007-25-1  zeitgeist verlag, www.zeitgeist-online.de)

Wolfgang Bittner sah schon 2019 alles voraus

Die Inszenierung einer Krise –
Hintergründe und Strategie

Das politische Sachbuch bezieht seine Attraktivität auch aus dem Versprechen, die ganze Wahrheit zwar nicht zu wissen, aber mit zahlreichen Fakten die Probleme sehr anschaulich beschreiben zu können. Und das ist Wolfgang Bittner schon 2019 mit seinem Sachbuch „Der Neue Ost-West-Konflikt“ gelungen. Der Schriftsteller war schon damals überzeugt, dass die Krise zwischen NATO und Russland zu eskalieren droht. Fast prophetisch, dass es jetzt geschehen ist. Bittner meint, dass der Konflikt so gewollt ist: NATO-Osterweiterung, Krieg gegen Jugoslawien, Anti-Russland-Propaganda, wirtschaftliche Sanktionen oder drastische Erhöhung des Militärhaushalts der USA (aktuell: 734 Milliarden Euro).

Der promovierte Jurist (Jahrgang 1941, Egon-Kisch-Preisträger) liefert mit seinem Werk eine Chronologie des Geschehens, analysiert aufwändig die Hintergründe. Die AfD-nahe Wochenzeitung Junge Freiheit rezensierte, dass Bittner mit seinem Buch „übers Ziel hinausgeschossen ist“. Seine Anklageschrift gegen den US-Imperialismus könne man so nicht stehenlassen. Und in dem er Deutschland als „Kolonie der USA“ bezeichne, kultiviere Bittner das Selbstmitleid einer geprügelten Nation. Doch Bittner liefert starke Argumente und Beweise: So u. a. der Einfluss der US- und NATO-Netzwerke, Fake News und Kriegspropaganda, Versailler Vertrag, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, die Ukraine destabilisiert, geplündert, zerrüttet, Russland am Pranger und die neuere Entwicklung Europa-China-USA.

Wegen seiner Aufrichtigkeit wird Wolfgang Bittner von einigen sogenannten Qualitätsmedien boykottiert. „Ich sage und schreibe, im Rahmen der Gesetze, was ich will – aber es wird oft verhindert, dass es viele hören und lesen“, so Bittner. Viele zählen ihn zu den mutigsten Schriftstellern Deutschlands.  Deswegen ist auch dieses Buch nach wie vor hochaktuell und lesenswert!

Allein in der Wildnis: Schriftsteller Wolfgang Bittner auf Recherchetour in Kanada. Sein Buch „Am Yukon – Kanada-Erzählungen“ macht Appetit auf das große Abenteuer. (Edition Bärenklau/Der Romankiosk, 144 Seiten, Taschenbuch 10,99, gebundene Ausgabe 16,99, und eBook 2,99, ISBN 978-3754942055)

Abenteuer und Freiheit

Am Yukon
Kanada-Erzählungen
Wolfgang Bittner auf den Spuren von Jack London

Unberührte Natur statt homeoffice, Freiheit statt Corona-Gefangenschaft: Da macht eine spannende Lektüre richtig Appetit auf das große Abenteuer. Und die bietet Wolfgang Bittner mit seinem Buch „Am Yukon – Kanada-Erzählungen“. Grandiose Kulisse seiner neun abenteuerlichen Stories ist das kanadische Yukon-Territorium: „The Land of Magic and Mystery“. Bittner lebte viele Monate in der Gegend um die legendäre Goldgräberstadt Dawson City am Yukon, dem größten Fluss des Polarkreislandes.

Seit 1985 reiste er 15 Mal nach Kanada, um mit Indianern Lachse zu fischen, Aussteiger und Selbsterfahrungsgruppen zu besuchen. Der Schriftsteller (Egon-Kisch-Preisträger) war mit dem Kanu auf den Flüssen unterwegs, jobbte in Goldminen, beobachtete Bären und Wölfe. „Eine abenteuerliche Zeit, die sich nicht so leicht wiederholen lässt“, meint Bittner, der über 70 Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder veröffentlichte. Im Fokus hat Bittner immer die Menschen und ihr Schicksal. Auch in der Wildnis am Yukon tobt ein unerbittlicher Überlebenskampf. Und hier geht es vor allem um den großen amerikanischen Traum vom Reichtum: Gold! So wie einst Jack London („Alaska Kid“) den Wettlauf um das gelbe Metall beschrieb. Auch Bittner arbeitete als Golddigger, brachte einen Nugget mit nach Hause. „Mit einem Kettchen ist es ein Anhänger für meine Frau geworden.“

Ja, dieser schreibende Waldläufer kennt sich aus. Das merkt man in jeder Zeile. Und da klingt auch Kritik an: In der Geschichte Nordamerikas geht es nicht nur um Freiheit und Pioniergeist, sondern auch um die Ausrottung indigener Völker, Sklaverei und Turbokapitalismus. „In Alaska veränderte sich viel, das  Beamtentum macht sich breit, alles wird asphaltiert, reglementiert, die Bodenschätze rücksichtslos ausgebeutet.“

Trotzdem kann man am Yukon immer noch das große Abenteuer erleben. Und Bittners Buch macht da richtig Appetit!

Endlich aufgewacht!
Die Aufrüstung unserer Bundeswehr

Erst die bittere Wirklichkeit zwang zum Handeln: Nach der russischen Invasion in der Ukraine hat die linksgrüne Regierung endlich begriffen: Nur eine starke, gut ausgerüstete Armee schützt Deutschland. Jahrzehntelang wurde die äußere Verteidigung sträflich vernachlässigt. Statt Stärke nach Außen zu zeigen, wurden „innere Feinde“ von den personell aufgestockten Geheimdiensten (MAD, VS) verfolgt. Unser Land war nicht in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Merkel und Co. flüchteten unter das Atom-Schutzschild der USA. Hinzu kamen unfähige Verteidigungsministerinnen, die zu Lachnummern gerieten.

100 Milliarden Euro für die  Verteidigung? Einfach so, auf die Schnelle? Da gerät die Bundeswehr in Personalnot. Welcher junge Mensch will denn heute noch für sein Land dienen? Da muss das Image unserer Soldaten total aufgewertet werden!

In dem Buch „Rechts vs. Rechts“ befassen sich Ex-Oberstleutnant und Politiker Uwe Junge sowie der Journalist und ehemalige Zeitsoldat Peter Hain mit dem desolaten Zustand der Bundeswehr. 30 Seiten Realpolitik (denn Soldaten sind Realisten): „Rüstung nach Kassenlage ist das Grundübel“, so der Afghanistan-Kämpfer Junge. Oder auf twitter: „Wann kommt endlich der Aufstand der Generale?“. Und: „Unser linksliberaler mainstream und die Ausgeburten der 68er Vaterlandshasser hatten schon immer eine Abneigung gegen jede Art von Uniform“.

Brauchen wir eine effektivere Landesverteidigung? Der Ex-Stabsoffizier: „Auf jeden Fall! Dann müssen wir aber auch bereit sein, den erforderlichen Preis dafür zu zahlen. Ob dafür die 2%-Ausgaben reichen werden, werden wir erst nach der Analyse sehen. Dabei muss die Bundeswehr der Zukunft zu beiden Operationen befähigt werden: Landesverteidigung und Auslandseinsätze mit der NATO“.

Aktuell: Was Uwe Junge jahrelang forderte und predigte, hat endlich auch die linksgrüne Regierung begriffen. Plötzlich plant die grüne Außenministerin Annalena Baerbock ein Nationales Sicherheitskonzept, betont Deutschlands „Wehrhaftigkeit“. Und sie meint damit auch den Willen, sich im Ernstfall zu verteidigen. Endlich aufgewacht!

Patrouille zu Fuß in Afghanistan: Oberstleutnant Uwe Junge (r.) mit seiner Truppe
beim ISAF-Einsatz in Kunduz
Manöver im niedersächsischen Munster 1961: Uffz./Ausbilder Peter Hain (Mitte) mit dem
Schützenpanzer HS 30 in Feuerstellung

Wir sprechen vielen Menschen aus der Seele

Die Meinungen zu unserem Buch zeigen, dass wir vielen Parteimitgliedern und Wählern aus der Seele sprechen. Sie haben ehrliche Fragen, wir geben ehrliche Antworten.

Überall erhältlich, wo es gute Bücher gibt (u. a. jf-buchdienst.de, Best.-Nr.: 95160)
und direkt beim Autor: Peter.Hain@peterhain.info
Isegrim-Plädoyer: Peter Hain mit Wolf Boris, den er als verwaisten Welpen in einem Tierpark aufpäppelte. Er ist Fördermitglied der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, gegründet von Bernhard Grzimek (1909 – 1987, „Serengeti darf nicht sterben“). Der Verein unterstützt in 50 Ländern Tier- und Naturschutzprojekte. Grzimek war ein Wolfsfreund, lebte zeitweise mit dem Wolf Dschingis zusammen, schrieb auch ein Buch darüber

Das rechte Märchen
von den 100.000 Wölfen

Das Problem „Wolf und Mensch“ ist politisch aufgeladen. Erschreckend, wie sich  Parteien und Lobbyverbände gegen die Interessen des Natur- und Artenschutzes aufschwingen. Der Canus Lupus ist kein Kuscheltier, lebt nicht vegan – aber er hat seine Daseinsberechtigung im Naturkreislauf. Vor allem die AfD warnte mit ihren Parolen und Flyern, dass es in Deutschland angeblich über 100.000 Wölfe gäbe, die unser Leben bedrohen. Unsinn, das ist ein rechtes Märchen. Bisher gibt es keine einzige tödliche Attacke auf Menschen, allerdings häufen sich die Angriffe auf Weidetiere. 100.000 Eurasische Grauwölfe in Deutschland? So viele gibt es in der ganzen Welt nicht mehr. Man schätzt, dass bei uns etwa zwischen 1.200 bis 1.500 Exemplare leben.

Der Wolf ist und bleibt eine streng geschützte Art. Prost, darauf einen Rotkäppchen-Sekt! Mehr darüber in meinem Isegrim-Plädoyer in dem Buch von Uwe Junge und mir: „Rechts vs. Rechts“.

Das neue Magazin der Leibniz-Gemeinschaft: 105 Seiten mit starken Themen, grafisch modern verpackt

Zeitschriftenkritik: Leibniz
Wir müssen lernen,
mit den Wölfen zu leben

Seit vor 20 Jahren erstmals wieder Wolfswelpen in Deutschland geboren wurden, erobern die Tiere immer neue Lebensräume. Zu Gesicht bekommt man sie jedoch selten. Leibniz, die von der Leibniz-Gemeinschaft herausgegebene Zeitschrift (Titelcover oben), befasst sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit Menschen, die mit dem Wolf in Kontakt getreten sind. So ein Schäfer, der Wolfsrisse zu beklagen hat, eine Naturschutz-Genetikerin, eine Wildbiologin und eine Veterinär-Pathologin. Es geht vor allem darum, mit den „großen Jägern“ zu leben. „Und das müssen die Menschen lernen“, so die Wolfsforscher. Im Übrigen würden in Deutschland Wölfe vor allem durch den Menschen sterben, drei Viertel sind Verkehrsopfer und elf Prozent fallen illegaler Tötung zum Opfer.

Um Raum und Räume geht es auch in dem Beitrag „Neue Platte“, dem größten Relikt der DDR, das zu neuem Leben erwachte. Weitere aktuelle Beiträge befassen sich mit der „Erfindung des Kosmos“ und der umstrittenen Tesla-Fabrik in Grünheide.

Kontakt: Leibniz-Gemeinschaft, Chausseestr. 111, 10115 Berlin. Das Abo ist kostenlos. www.leibniz-gemeinschaft.de

Herbert Gruhl: „Aphorismen. Menschliches, Ökologie und Politik.“ Hrsg. von Andreas Gruhl und Volker Kempf. Gerhard Hess Verlag, 80 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-87336-722-7. Aphorismen gehören zu einer Textgattung, die man als geistreiche Mini-Essays charakterisieren kann.

Einer der „ersten Grünen“:
Herbert Gruhl, der konservative Umweltschützer
mit Liebe zu Deutschland

Zum 100. Geburtstag seine bisher unveröffentlichten Mini-Essays

„Eine Gattung, die sich alle anderen Lebewesen unterwirft, einen Bruchteil der Arten domestiziert, andere Teile ausrottet, beraubt sich aller natürlichen Widerstände. Damit hat sie sich selbst die weitere Evolution abgeschnitten.“
Herbert Gruhl (1921 – 1993)

Am 22. Oktober 2021 war Herbert Gruhls 100. Geburtstag. Er wurde in den 1970er Jahren als Politiker sehr bekannt. Sein Bestseller „Ein Planet wird geplündert“ (1975) weckte das Umweltbewusstsein in Deutschland. Dr. phil. Konrad Adam (Jahrgang 1942, Ex-Redakteur der FAZ) schreibt im Vorwort des Buchs: „Gruhls griffige Parole heißt ‚Ökologisch ist konservativ‘, die allerdings beide Lager gegen ihn aufgebracht hat: die Konservativen, die ‚weiter so!‘ machen wollen, und die Ökologisten, die sich einbilden, unter der Regenbogenfahne einer glänzenden Zukunft entgegen zu marschieren.“

Gruhls Thema war die neoklassische Wachstumspolitik und ihre ökologischen Folgewirkungen. „Er war Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), CDU-Bundestagsabgeordneter, trat 1978 aus dieser Partei aus, gründete mit der grünen Aktion Zukunft (GAZ) die erste deutsche Umweltpartei“, schreibt im editorischen Nachwort Volker Kempf, Vorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. (www.herbert-gruhl.de). Bemerkenswert: Herbert Gruhl wurde 1979 als einer der „ersten Grünen“ mit Petra Kelly Spitzenkandidat der damals sogenannten Sonstigen Politischen Vereinigung/Die Grünen. Bei der Gründung der Grünen hielt er sogar die Eröffnungsrede.