In der Demokratie gibt es eine Pflicht, die allem anderen vorgeht: Nämlich zu sagen, was ist!

SCHMETTERLINGSWIESE, mundgemalt von Hyong-Jae Yim. MFK Mund- und Fußmalende Künstlerverlag, Shop mfk-Verlag.de. „Wer keine Freude an der Welt hat, an dem hat die Welt auch keine Freude“, so Berthold Auerbach. Die Deutschen sind ein naturverliebtes Volk. Und das Thema „Umweltschutz“ ergänzt sich auch mit dem Schutz der Heimat und der Kultur.

Es tut gerade in schwerer Zeit
nichts so wohl, als sich der Natur hinzugeben, nicht passiv oder genießend, sondern schaffend.

Hermann Hesse

Thor Kunkels neuer Roman „Im Garten der Eloi“, die Geschichte einer hypersensiblen Familie. Auch ein modernes Sittenbild über das „Unaussprechliche unserer Zeit“:  ISBN 978-3-95890-477-4, Europa Verlag, 448 Seiten, 24 Euro

Der rächende Vater
und seine vergewaltigte Tochter

Einer der Gründe, weswegen muslimische Männer Frauen vergewaltigen oder belästigten, ist, wie sie gekleidet waren. Wenn sie halb nackt und parfümiert herumlaufen, passieren eben solche Dinge.


Sami Abu-Yusuf, Imam der Kölner Al Tauhid-Moschee,
am 21. Januar 2016

Erinnern Sie sich noch an die Silvesternacht 2015 im Kölner Hauptbahnhof und  auf der Domplatte? Darüber schrieb Thor Kunkel den Roman „Im Garten der Eloi“: Ein entsetzter Vater erlebt, dass die Ereignisse dieser Silvesternacht nicht nur von den Medien heruntergespielt werden, sondern dass sich diese Mauer des Schweigens in der eigenen Familie fortsetzt. Denn an diesem Silvester wurde seine Tochter Opfer einer Vergewaltigung durch sogenannte „Südländer“. Harro Grunenberg, Agenturchef für ethische Werbung, will sich mit dem Verbrechen nicht abfinden, sinnt auf Rache. Doch niemand unterstützt ihn, nicht mal die eigene Familie. Es ist eben „unsagbar“, weil die Täter Einwanderer sind.

So startet der Romanheld Grunenberg, scherzhaft „Grünchen“ genannt, einen mutigen Feldzug. Mit Hilfe einer säkularisierten Muslima versucht er, durch die Neuauflage des Keuschheitsgürtels ein Zeichen zu setzen – gegen die importierte Frauenfeindlichkeit und die Schattenseiten der Kulturbereicherung. Im woken Milieu kommt das nicht gut an, vor allem nicht bei den Bessergutmenschen. Das System, in dem auch Grünchen seinen Platz im „Garten der Eloi“ (hebr. Sinnbild für Paradies) hat, ächtet ihn.   

Der Roman mit seinen starken Dialogen ist auch eine Abrechnung mit der Gesellschaft – zornig, aber oft auch zynisch, amüsant. Trotzdem besteht der Autor gleichzeitig auf dem Prinzip Hoffnung. Das Buch endet mit dem Satz: „Da wusste er, er wandelte wieder im Garten der Eloi, und alles war gut.“

Das grenzt an Bücherverbrennung

Thor Kunkel, Jahrgang 1963, zählt zu den meist diskutierten Schriftstellern. Er studierte Bildende Kunst (u.a. in Frankfurt/Main und San Francisco), arbeitete viele Jahre für britische und holländische Werbeagenturen. Weitere Informationen, Anfragen zu Veranstaltungen: bs@europa-verlag.com, www.europa-verlag.com, www.thor-kunkel.com

Kunkel gilt den Mainstream Medien als „umstritten“ – ein typisches Framing-Wort. Doch er ist auch einer der wichtigsten Wegbereiter für eine Erneuerung der deutschsprachigen Literatur. Mit seinem 1999 erstmals in Klagenfurt vorgestellten, autobiografisch grundierten Roman „Das Schwarzlicht-Terrarium“ erfand er – aus unserer heutigen Sicht – das literarische Genre der Autofiktion.

Trotz allem werden neuerdings die Werke des Autors vor allem von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht besprochen oder erwähnt. Seine Bücher werden verrissen, totgeschwiegen, ja, gezielt sabotiert. So heißt es unter anderem: Unsere Sendezeit haben bessere, nicht rechts-lastige Autoren viel mehr verdient. Das ist eine neue Form der Bücherverbrennung.

Nachtrag

Mehr als 600 Sexualdelikte,
doch nur drei Verurteilungen

Ich kenne die Verhältnisse im weltoffenen Köln sehr gut, arbeitete dort in den 70er Jahren als Journalist (u. a. für das Boulevardblatt EXPRESS). Und so musste ich erleben, dass es an Silvester 2016 fast wieder zu einer Katastrophe gekommen wäre, als ich zu Freunden nach Köln reiste. Trotz aller Beteuerungen kamen wieder mehr als tausend junge Nordafrikaner in die Domstadt, um sich dort am Hauptbahnhof zu treffen. Über 1.700 Polizisten mussten einschreiten, um Straftaten wie 2015 zu verhindern. Übrigens: Die strafrechtliche Aufarbeitung der Silvesternacht 2015 brachte ein ernüchterndes Ergebnis: Zwar zeigten mehr als 600 Frauen Sexualdelikte an, doch nur drei Sexualstraftäter konnte die Justiz letztendlich überführen und verurteilen.

Erinnerungen an glückliche Tage bis zu einer bedrohten Gegenwart, starke poetische Sprachbilder: „Unter der Asche die Glut“, Lyrik Edition 2000, ISBN: 978-3-96233-348-5, Allitera Verlag, 142 Seiten, 12,90 Euro

Über 100 neue Gedichte
von Wolfgang Bittner

Der Poet als Realist

Bei uns herrscht Meinungsfreiheit.
Wer anderer Meinung ist,
darf sich nicht beschweren.

Wolfgang Bittner

In schweren Zeiten machen Dichter viel Mut zum Widerspruch, besonders gegen die Zumutungen des sogenannten Mainstreams. So jetzt auch Wolfgang Bittner mit seinem neuen Lyrikband „Unter der Asche die Glut“. Er will die „Glut unter der Asche“ entdecken und entfachen. Und das ist dem Schriftsteller und PEN-Mitglied, der über 70 Bücher veröffentlichte, auch gelungen. Seine auf dem Amboss der Wahrhaftigkeit geschmiedeten Verse kommen manchmal so leicht daher, hinterlassen aber tiefe Wirkung. Bittners Themen sind Heimat, Heuchelei, Humanität und jetzt wieder Kriegsgräuel („Bombenstimmung“, „Totengräber“, „Kriegstrommel“).

Als gebürtiger Schlesier gefällt mir vor allem das Poem „Kann mich dunkel erinnern“, eine traurige, poetische Reise meines schlesischen Landsmannes Bittner in die verlorene Heimatstadt im heutigen Polen. Der Poet als Realist einer immer noch nicht bewältigten deutschen Geschichte, und heute in einer gespaltenen Gesellschaft, die Andersdenkende oft diskriminiert.    

Ja, die zeitbezogenen Gedichte des Kisch-Preisträgers Wolfgang Bittner würden vermutlich auch Egon Erwin Kisch (1885-1948) gefallen. Der „rasende Reporter“ verdichtete oft fast lyrisch seine Reportagen, war ein Wahrheitssuchender.

PS: Weitere Rezensionen zu Bittner-Büchern in diesem blog: „Der neue West-Ost-Konflikt“ und „Am Yukon“. Infos: www.wolfgangbittner.de und www.allitera.de

Wohin steuert Deutschland?
„Der Spielraum für bestimmte Meinungen wird immer enger, nehmen Sie etwa Nation, deutsche Kultur, Familie … Manche Leute glauben, es gäbe bei uns keine Diskursbeschränkungen, da sie selbst ja gar kein Interesse an Diskursen dieser Art haben … Ich aber spüre diese Beschränkungen sehr stark“, so der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Uwe Tellkamp, der jetzt sein neues Buch „Der Schlaf in den Uhren“ (Roman Suhrkamp) veröffentlichte

Die Freiheit fördern –
jetzt erst recht!

Die  JUNGE FREIHEIT ist eine der letzten unabhängigen Zeitungen Deutschlands. Wirtschaftliche, politische und publizistische Freiheit sind ihre Grundprinzipien – keine Selbstverständlichkeit in der heutigen Presselandschaft! Die JUNGE FREIHEIT ist eine Zeitung für Deutschland. Sie erscheint in Berlin und ist der großen kulturellen Tradition der deutschen Nation verpflichtet. In ihrer Berichterstattung leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Vielfalt und Lebendigkeit der Meinungsbildung.

JF-Chefredakteur Dieter Stein
www.jungefreiheit.de

Darum ist es wichtig, diese Freiheit zu fördern, denn die Pressefreiheit ist auch in Deutschland gefährdet. Die jetzige Bundesregierung pumpt in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro in den „Kampf gegen Rechts“, als „Demokratie-Förderung“ verbrämt. Nicht zu vergessen, die acht Milliarden Euro Zwangsgebühren, mit denen jährlich die öffentlich-rechtlichen Medien alimentiert werden. Viele Printmedien werden wiederum in erheblicher Höhe finanziell durch Anzeigen des Staates und von Großkonzernen gefördert. Deshalb muss ein Debatten-Magazin wie die JUNGE FREIHEIT unterstützt werden.

Wie sagt Chefredakteur Dieter Stein: „Unsere Aufgabe ist es, verbindlich im Ton, aber knallhart in der Sache gegenzuhalten gegen einseitige Berichterstattung einerseits, aber andererseits auch gegen eine Verrohung der öffentlichen Debattenkultur.“

jungefreiheit.de/service/foerdern

jf.de/newsletter

Jf.de/deutschland-abo

Rassiges Langhaar aus adligem Geblüt (vom Pfaffenteich): Rüde Devin (9), der einen Löwen sieht, wenn er in den Spiegel guckt. Doch er ist auch sensibel und pfiffig, sein Name Devin ist irisch und bedeutet „Poet“

Menschenkenntnis dämpft die Menschenliebe,
Tierkenntnis erhöht die Tierliebe

Bernhard Grzimek („Serengeti darf nicht sterben“)

Charakterstark, treu, mutig

Der deutsche Dackel darf nicht aussterben!

Von Hund zu Hund: blog peterhain.info-Dackel Devin grüßt Junge Freiheit-Redaktionsdackel Rudi! Du warst der Star auf dem JF-Sommerfest. Beneidenswert, wie dich alle herzten und streichelten. Vor allem die schicken Damen. Und dann auch noch dein Foto in der Zeitung – ein echter Hingucker!

„Leider gibt es in Deutschland immer weniger Dachshunde, dafür umso mehr Promenaden-Kläffer“, sagt mein Herrchen. Kein Platz mehr für uns kleine Jagdhunde  mit dem langen Rückgrat? Rudi, der deutsche Dackel darf nicht aussterben. Daher brauchen wir dringend Dackel-Nachwuchs. Also Rudi, halt dich ran!  

Ein fröhliches Wuff von der Weinstraße nach Berlin

Herzlichst

Devin

Jeder dritte Deutsche sieht „Scheindemokratie“

Um sein politisches System wird Deutschland weltweit beneidet. Trotzdem glaubt jeder dritte Deutsche einer Umfrage zufolge, in einer „Scheindemokratie“ zu leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Senders SWR. Darin stimmten 31 Prozent der Befragten dem Satz zu: „Wir leben in einer Scheindemokratie, in der die Bürger nichts zu sagen haben“. Im Osten war sogar fast die Hälfte der Bürger (45 Prozent) dieser Meinung. Und 28 Prozent der Befragten gaben an, dass unser demokratisches System „grundlegend geändert“ gehöre.

Der Genius der Freiheit trägt den „Hut der Freiheit“, ein bis auf die europäische Antike zurückgehendes Symbol. Detail am Grabmal Fürst Wilhelm I. von Oranien-Nassau, genannt „Der Schweiger“, Führer der Niederlande im Freiheitskampf der Nieuwe Kerk, Delft, 1623 vollendet.

Stiftung Hambacher Schloss feierte „erstes Demokratiefest“. Motto: „Mut zur Freiheit“

Kommentar

Es hätte heißen müssen:
Mehr Mut zur Meinungs-Freiheit“

Bei der Infragestellung unseres demokratischen Systems geht es auch um die berühmte Meinungsfreiheit, die für alle Deutschen einen hohen Wert hat. Das Recht auf Meinungsfreiheit und Redefreiheit stellt aber gerade die abweichende Meinung, den Dissens, ins Zentrum der Freiheitsidee. Von dieser Einsicht scheint die Elite der deutschen Politik weit entfernt. Abweichende Meinungen werden heute noch schärfer sanktioniert als abweichendes Verhalten. Diese Sanktionen laufen zumeist nicht über Diskussionen, sondern über Ausschluss und Ächtung. Ein Beispiel ist hierfür das „Neue Hambacher Fest“, das als Marke verboten wurde. Das bedeutete auch ein Ende der Patriotenwanderungen zum Schloss.

„Mut zur Freiheit“ lautete das Motto des ersten Demokratiefestes, das kürzlich die Stiftung Hambacher Schloss und die Stadt Neustadt veranstalteten. Das „erste Fest“? Das stimmt so nicht, es gab schon vorher einige Demokratiefeste auf dem Schloss. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wurde mit dem „Hambacher Freiheitspreis“ geehrt, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Der Theologe hielt eine bemerkenswerte Rede („Freiheit ist nicht umsonst zu haben“). Richtig. „Die Zahl der Feinde der Demokratie hat zugenommen, alter und neuer Extremismus und ein Erstarken des populistischen Milieus erschrecken die Mehrheit der Bevölkerung“, so Gauck. Aber er meinte auch: „Sehen wir also unsere so oft hinterfragte Gesellschaft einmal aus dieser Perspektive an – und wir erblicken einen Raum der Möglichkeiten , in dem Zukunft nicht Furcht und Eskapismus auslöst, sondern realitätsbasierte Zuversicht, Selbstvertrauen und Mut.“

Der Redner wollte wohl auch an das Hambacher Fest vor 190 Jahren erinnern. Zum Festakt mit Gauck-Rede waren nur geladene Gäste zugelassen. Ob der Freiheitsheld Dr. Siebenpfeiffer auch eine Einladung erhalten hätte?

„Mehr Mut zur Meinungs-Freiheit“ hätte die Hambacher Veranstaltung heißen müssen

Ich meine, Demokratie wird nicht nur gestärkt durch präsidiale Ermahnungen, man möge sich zu ihr bekennen und sie gegen ihre Feinde verteidigen. Die Demokratie stärkt vor allem auch ihre Anfechtung. Sie ist das bestmögliche System zur Überwindung ihrer Infragestellung. Ihrem elementaren Funktionieren sind Störung und Gefährdung zuträglicher als Bestätigung und Bekenntnisproklamation. Die Veranstaltung der Landesregierung zeugt von rührendem Eifer, das Gesamtbild der Patrioten von 1832 politisch zu vereinnahmen. Es stimmt nachdenklich, dass der rheinland-pfälzische SPD-Innenminister Roger Lewentz der neue Vorstandsvorsitzende der Stiftung Hambacher Schloss ist.

„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“
Perikles (+429 v. Chr.)

Ein berühmtes Zitat, das alle demokratischen Patrioten beherzigen sollten. Perikles war seit  443 v. Chr. ständig Stratege, verlieh der athenischen Demokratie (Volksherrschaft) einen monarchistischen Charakter. Das perikleische Zeitalter war ein Höhepunkt klassischer griechischer Kultur. Perikles soll aber auch den Peloponnesischen Krieg als Mittel neuer innerer Stärkung begrüßt haben, wurde kurz vor seinem Tod (an der Pest) abgesetzt.

1832, 27. Mai, 8 Uhr: Vom Marktplatz in Neustadt startete der Festzug mit dem Lied „Hinauf, Patrioten, zum Schloss, zum Schloss“. Nach Ankunft hisste das Festkomittee auf der höchsten Zinne die deutsche Fahne mit der Inschrift: „Deutschlands Wiedergeburt“. Diese schwarz-rot-goldene Flagge ist noch heute in der Dauerausstellung auf dem Hambacher Schloss im Original zu besichtigen

Nur dem Patrioten Siebenpfeiffer
gehört die Marke „Hambacher Fest“

Das Land Rheinland-Pfalz ist für das kulturelle Erbe zuständig, trägt die Stiftung Hambacher Schloss mit. Und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kam auch noch in Neustadt an der Weinstrasse zur Welt. Da ist es verständlich, dass die SPD das Freiheitsfest dazu nutzt, ihre politische Deutungshoheit zu stärken. Daher wurde auch auf Antrag der Stiftung das von dem Investor Max Otte inszenierte „Neue Hambacher Fest“ vom Patentamt als Marke gelöscht.

Doch eigentlich gehört nur Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer die Marke „Hambacher Fest“, denn er und seine Mitstreiter erfanden den Namen, marschierten 1832 zum Schloss hinauf, um für Presse- und Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Das ist schon 190 Jahre her. Das Urheberrecht gilt daher nicht mehr. Leider. Was würde Siebenpfeiffer wohl heute zu diesem Markenstreit sagen? Vielleicht würde er sich über eine „wahre Erneuerung“ seines Festes freuen? Eine pfälzische Monopol-Zeitung dichtete, auf dem Hambacher Schloss sei die Demokratie erfunden worden. In der Tat eine Erfindung. Mein Vorbild Siebenpfeiffer erwähnte in seinen Schlossreden niemals das Wort Demokratie, sondern sprach mehrfach nur von Patrioten und Patriotismus.

Tatsache ist: Erst Alexis de Tocqueville prägte auf seiner Reise durch die USA (1831/32) den Politikbegriff „Demokratie“, veröffentlichte danach „Die Demokratie in Amerika“ (1835-1840). Für den französischen Politiker und Historiker sind bürgerschaftliche Feste und Bewegungen die Schule der Demokratie, in denen demokratisches Denken und ziviles Verhalten durch alltägliche Praxis eingeübt werden. Doch wenn diese Assoziationen auf lokaler Ebene verkümmern, dann ist die Freiheit der Demokratie – so Tocqueville – auch auf nationaler Ebene in Gefahr. Und da muss man wieder an das Hambacher Fest von 1832 denken. Wer widersprüchliche Meinungen nicht zulässt, schadet nur der eigenen Glaubwürdigkeit.

Herbert Gruhl: „Aphorismen. Menschliches, Ökologie und Politik.“ Hrsg. von Andreas Gruhl und Volker Kempf. Gerhard Hess Verlag, 80 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-87336-722-7. Aphorismen gehören zu einer Textgattung, die man als geistreiche Mini-Essays charakterisieren kann.

Einer der „ersten Grünen“:
Herbert Gruhl, der konservative Umweltschützer
mit Liebe zu Deutschland

Zum 100. Geburtstag seine bisher unveröffentlichten Mini-Essays

„Eine Gattung, die sich alle anderen Lebewesen unterwirft, einen Bruchteil der Arten domestiziert, andere Teile ausrottet, beraubt sich aller natürlichen Widerstände. Damit hat sie sich selbst die weitere Evolution abgeschnitten.“
Herbert Gruhl (1921 – 1993)

Am 22. Oktober 2021 war Herbert Gruhls 100. Geburtstag. Er wurde in den 1970er Jahren als Politiker sehr bekannt. Sein Bestseller „Ein Planet wird geplündert“ (1975) weckte das Umweltbewusstsein in Deutschland. Dr. phil. Konrad Adam (Jahrgang 1942, Ex-Redakteur der FAZ) schreibt im Vorwort des Buchs: „Gruhls griffige Parole heißt ‚Ökologisch ist konservativ‘, die allerdings beide Lager gegen ihn aufgebracht hat: die Konservativen, die ‚weiter so!‘ machen wollen, und die Ökologisten, die sich einbilden, unter der Regenbogenfahne einer glänzenden Zukunft entgegen zu marschieren.“

Gruhls Thema war die neoklassische Wachstumspolitik und ihre ökologischen Folgewirkungen. „Er war Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), CDU-Bundestagsabgeordneter, trat 1978 aus dieser Partei aus, gründete mit der grünen Aktion Zukunft (GAZ) die erste deutsche Umweltpartei“, schreibt im editorischen Nachwort Volker Kempf, Vorsitzender der Herbert-Gruhl-Gesellschaft e.V. (www.herbert-gruhl.de). Bemerkenswert: Herbert Gruhl wurde 1979 als einer der „ersten Grünen“ mit Petra Kelly Spitzenkandidat der damals sogenannten Sonstigen Politischen Vereinigung/Die Grünen. Bei der Gründung der Grünen hielt er sogar die Eröffnungsrede.

Aktuell zum Thema:
Konrad Adam: Natur ist mehr als Umwelt!

Die Bibliothek des Konservatismus veranstaltet wieder eine interessante Vortragsreihe mit prominenten Rednern. So auch mit dem Publizisten Konrad Adam, der am 20. Juli 2022 ab 19 Uhr über „Natur ist mehr als Umwelt – Über den rechten Ursprung einer linken Parole“ spricht mit anschließender Diskussion.

Infos:

e-mail: veranstaltungen@bdk-berlin.org

Bibliothek des Konservatismus, Fasanenstr. 4, 10623 Berlin. Tel. 030/315 17 37 25

Web: www.bdk-berlin.org

Abendkasse: 10 Euro/5 Euro

Diese Bibliothek ist einzigartig in Deutschland: Hier haben konservative Intellektuelle und Akademiker endlich einen Ort, sich über aktuelle Fragen auszutauschen. Hier finden alle Interessierte wichtige Quellen- und Sekundärtexte über den Konservatismus in Deutschland, Europa und der Welt. Hier ist der Ort, an dem die Themen der Konservativen offen und ehrlich diskutiert werden, um Antworten auf die Fragen von Morgen zu finden.

Zitat zur Zeit:
Sei wachsam!

Erfrischender Ratschlag des Liedermachers und Freigeistes Reinhard Mey mit seinem Song „Sei wachsam“. Ich zitiere auszugsweise den Refrain:

„Sei wachsam, präg‘ dir die Worte ein! Sei wachsam und fall nicht auf sie rein! Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt. Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt! Sei wachsam, bewahr‘ dir deinen Mut. Sei wachsam und sei auf der Hut.“

Der Schriftsteller Wolfgang Bittner hat mit seinem Werk „Der Neue West-Ost-Konflikt“  für Aufsehen gesorgt. Es geht um die Inszenierung der Krise NATO gegen Russland. Bittner liefert eine Tour de d’horizon der US-Großmachtpolitik von der Ukraine bis Venezuela (320 Seiten, 20 Abb., 19,90 Euro, ISBN: 978-3-943007-25-1  zeitgeist verlag, www.zeitgeist-online.de)

Wolfgang Bittner sah schon 2019 alles voraus

Die Inszenierung einer Krise –
Hintergründe und Strategie

Das politische Sachbuch bezieht seine Attraktivität auch aus dem Versprechen, die ganze Wahrheit zwar nicht zu wissen, aber mit zahlreichen Fakten die Probleme sehr anschaulich beschreiben zu können. Und das ist Wolfgang Bittner schon 2019 mit seinem Sachbuch „Der Neue Ost-West-Konflikt“ gelungen. Der Schriftsteller war schon damals überzeugt, dass die Krise zwischen NATO und Russland zu eskalieren droht. Fast prophetisch, dass es jetzt geschehen ist. Bittner meint, dass der Konflikt so gewollt ist: NATO-Osterweiterung, Krieg gegen Jugoslawien, Anti-Russland-Propaganda, wirtschaftliche Sanktionen oder drastische Erhöhung des Militärhaushalts der USA (aktuell: 734 Milliarden Euro).

Der promovierte Jurist (Jahrgang 1941) liefert mit seinem Werk eine Chronologie des Geschehens, analysiert aufwändig die Hintergründe. Die AfD-nahe Wochenzeitung Junge Freiheit rezensierte, dass Bittner mit seinem Buch „übers Ziel hinausgeschossen ist“. Seine Anklageschrift gegen den US-Imperialismus könne man so nicht stehenlassen. Und in dem er Deutschland als „Kolonie der USA“ bezeichne, kultiviere Bittner das Selbstmitleid einer geprügelten Nation. Doch Bittner liefert starke Argumente und Beweise: So u. a. der Einfluss der US- und NATO-Netzwerke, Fake News und Kriegspropaganda, Versailler Vertrag, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, die Ukraine destabilisiert, geplündert, zerrüttet, Russland am Pranger und die neuere Entwicklung Europa-China-USA.

Wegen seiner Aufrichtigkeit wird Wolfgang Bittner von einigen sogenannten Qualitätsmedien boykottiert. „Ich sage und schreibe, im Rahmen der Gesetze, was ich will – aber es wird oft verhindert, dass es viele hören und lesen“, so Bittner. Viele zählen ihn zu den mutigsten Schriftstellern Deutschlands.  Deswegen ist auch dieses Buch nach wie vor hochaktuell und lesenswert!

Allein in der Wildnis: Schriftsteller Wolfgang Bittner auf Recherchetour in Kanada. Sein Buch „Am Yukon – Kanada-Erzählungen“ macht Appetit auf das große Abenteuer. (Edition Bärenklau/Der Romankiosk, 144 Seiten, Taschenbuch 10,99, gebundene Ausgabe 16,99, und eBook 2,99, ISBN 978-3754942055)

Abenteuer und Freiheit

Am Yukon
Kanada-Erzählungen
Wolfgang Bittner auf den Spuren von Jack London

Unberührte Natur statt homeoffice, Freiheit statt Corona-Gefangenschaft: Da macht eine spannende Lektüre richtig Appetit auf das große Abenteuer. Und die bietet Wolfgang Bittner mit seinem Buch „Am Yukon – Kanada-Erzählungen“. Grandiose Kulisse seiner neun abenteuerlichen Stories ist das kanadische Yukon-Territorium: „The Land of Magic and Mystery“. Bittner lebte viele Monate in der Gegend um die legendäre Goldgräberstadt Dawson City am Yukon, dem größten Fluss des Polarkreislandes.

Seit 1985 reiste er 15 Mal nach Kanada, um mit Indianern Lachse zu fischen, Aussteiger und Selbsterfahrungsgruppen zu besuchen. Der Schriftsteller (Egon-Kisch-Preisträger) war mit dem Kanu auf den Flüssen unterwegs, jobbte in Goldminen, beobachtete Bären und Wölfe. „Eine abenteuerliche Zeit, die sich nicht so leicht wiederholen lässt“, meint Bittner, der über 70 Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder veröffentlichte. Im Fokus hat Bittner immer die Menschen und ihr Schicksal. Auch in der Wildnis am Yukon tobt ein unerbittlicher Überlebenskampf. Und hier geht es vor allem um den großen amerikanischen Traum vom Reichtum: Gold! So wie einst Jack London („Alaska Kid“) den Wettlauf um das gelbe Metall beschrieb. Auch Bittner arbeitete als Golddigger, brachte einen Nugget mit nach Hause. „Mit einem Kettchen ist es ein Anhänger für meine Frau geworden.“

Ja, dieser schreibende Waldläufer kennt sich aus. Das merkt man in jeder Zeile. Und da klingt auch Kritik an: In der Geschichte Nordamerikas geht es nicht nur um Freiheit und Pioniergeist, sondern auch um die Ausrottung indigener Völker, Sklaverei und Turbokapitalismus. „In Alaska veränderte sich viel, das  Beamtentum macht sich breit, alles wird asphaltiert, reglementiert, die Bodenschätze rücksichtslos ausgebeutet.“

Trotzdem kann man am Yukon immer noch das große Abenteuer erleben. Und Bittners Buch macht da richtig Appetit!

Wir sprechen vielen Menschen aus der Seele

Die Meinungen zu unserem Buch zeigen, dass wir vielen Parteimitgliedern und Wählern aus der Seele sprechen. Sie haben ehrliche Fragen, wir geben ehrliche Antworten.

Überall erhältlich, wo es gute Bücher gibt (u. a. jf-buchdienst.de, Best.-Nr.: 95160)
und direkt beim Autor: Peter.Hain@peterhain.info
Isegrim-Plädoyer: Peter Hain mit Wolf Boris, den er als verwaisten Welpen in einem Tierpark aufpäppelte. Er ist Fördermitglied der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, gegründet von Bernhard Grzimek (1909 – 1987, „Serengeti darf nicht sterben“). Der Verein unterstützt in 50 Ländern Tier- und Naturschutzprojekte. Grzimek war ein Wolfsfreund, lebte zeitweise mit dem Wolf Dschingis zusammen, schrieb auch ein Buch darüber

Das rechte Märchen
von den 100.000 Wölfen

Das Problem „Wolf und Mensch“ ist politisch aufgeladen. Erschreckend, wie sich  Parteien und Lobbyverbände gegen die Interessen des Natur- und Artenschutzes aufschwingen. Der Canus Lupus ist kein Kuscheltier, lebt nicht vegan – aber er hat seine Daseinsberechtigung im Naturkreislauf. Vor allem die AfD warnte mit ihren Parolen und Flyern, dass es in Deutschland angeblich über 100.000 Wölfe gäbe, die unser Leben bedrohen. Unsinn, das ist ein rechtes Märchen. Bisher gibt es keine einzige tödliche Attacke auf Menschen, allerdings häufen sich die Angriffe auf Weidetiere. 100.000 Eurasische Grauwölfe in Deutschland? So viele gibt es in der ganzen Welt nicht mehr. Man schätzt, dass bei uns etwa zwischen 1.200 bis 1.500 Exemplare leben.

Der Wolf ist und bleibt eine streng geschützte Art. Prost, darauf einen Rotkäppchen-Sekt! Mehr darüber in meinem Isegrim-Plädoyer in dem Buch von Uwe Junge und mir: „Rechts vs. Rechts“.

Das neue Magazin der Leibniz-Gemeinschaft: 105 Seiten mit starken Themen, grafisch modern verpackt

Zeitschriftenkritik: Leibniz
Wir müssen lernen,
mit den Wölfen zu leben

Seit vor 20 Jahren erstmals wieder Wolfswelpen in Deutschland geboren wurden, erobern die Tiere immer neue Lebensräume. Zu Gesicht bekommt man sie jedoch selten. Leibniz, die von der Leibniz-Gemeinschaft herausgegebene Zeitschrift (Titelcover oben), befasst sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit Menschen, die mit dem Wolf in Kontakt getreten sind. So ein Schäfer, der Wolfsrisse zu beklagen hat, eine Naturschutz-Genetikerin, eine Wildbiologin und eine Veterinär-Pathologin. Es geht vor allem darum, mit den „großen Jägern“ zu leben. „Und das müssen die Menschen lernen“, so die Wolfsforscher. Im Übrigen würden in Deutschland Wölfe vor allem durch den Menschen sterben, drei Viertel sind Verkehrsopfer und elf Prozent fallen illegaler Tötung zum Opfer.

Um Raum und Räume geht es auch in dem Beitrag „Neue Platte“, dem größten Relikt der DDR, das zu neuem Leben erwachte. Weitere aktuelle Beiträge befassen sich mit der „Erfindung des Kosmos“ und der umstrittenen Tesla-Fabrik in Grünheide.

Kontakt: Leibniz-Gemeinschaft, Chausseestr. 111, 10115 Berlin. Das Abo ist kostenlos. www.leibniz-gemeinschaft.de

Aktuell zum Thema:
Wolf und Wissen an Bord

Ein gemeinsames Exponat von drei Leibniz-Einrichtungen zur Rückkehr des Wolfs nach Deutschland  geht an Bord des Ausstellungsschiffs „MS Wissenschaft“ auf Tour durch Deutschland. Es zeigt ausführlich, wie naturwissenschaftliche und kulturhistorische Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft das Phänomen Wolf erforschen. Die Tour läuft schon und führt bis Mitte September in rund 30 deutsche Städte. An Bord hat das 100 Meter lange Frachtschiff eine interaktive Ausstellung mit mehr als 20 Exponaten.

Information zur Tour der MS Wissenschaft gibt es online unter: ms-wissenschaft.de

Weitere Infos: leibniz-gemeinschaft.de